Stillst du (noch)?

Das zweigeteilte Bild vom Stillen

Jede Stillmama wird diese Worte gut kennen: Stillst du? oder Stillst du noch?

 

Was anfänglich noch mit einem selbstbewussten Ja! gesehen wird, zeigt sich allerdings mit steigender Monatsanzahl des Säuglings als vorsichtiges …..  Ja.

 

Zunächst wird es als tolle Möglichkeit eingestuft, frei nach dem Motto Oh wie schön. Bei mir hat es leider nicht geklappt. Später werden Stimmen laut wie: Dein Kind muss doch nicht mehr gestillt werden, es kann doch schon „richtig“ mitessen. oder Still dein Kind doch nun endlich mal ab.auch Was du stillst noch? Du bindest dein Kind viel zu stark an dich etc.

 

Es wird deutlich, dass in unserer Gesellschaft das Stillen zwei Bilder hat. Zum einen wird Stillen für die allerersten Lebensmonate des Babys als dringend relevant gesehen, andererseits sollte man sich doch aber vom Stillen des Kindes ungefähr ab dem 6. Lebensmonat schnell wieder entfernen, um sich frei zu machen.

 

 

Stillen nach Bedarf, bedürfnisorientiertes Stillen, Langzeitstillen

Bedürfnisorientiertes Stillen

Das bedürfnisorientierte Stillen funktioniert aber nicht nach den zwei skizzierten Bildern. Es ist natürlich und folgt demnach natürlichen Prozessen. Mit natürlichen Prozessen ist der phasenweise Übergang vom Vollzeitstillen zum Teilzeitstillen hin zum selbstbestimmten Abstillen gemeint. Das stillende Kind nimmt sich die Milchmenge wann und wie oft es sie braucht. Es kann Tage geben, an denen ein 9 Monate alter Säugling nur eine Stillmahlzeit möchte. Es kann Tage geben, an denen es drei Milchmahlzeiten genießt. Es kann Tage geben, an denen es das Stillen lediglich als Einschlafhilfe und Beruhigung benötigt wird. Es kann Tage geben, an denen nur in absolut ruhiger Atmosphäre gestillt wird. Stillen ist folglich variabel und flexibel, wenn dem Säugling die Freiheit gelassen wird, selbst zu entscheiden, wann und wie viel er trinkt. 

 

Wer demnach fragt Stillst du noch? oder Stillst du? verrät unbewusst eine Gegenhaltung zum Stillen. Die offen formulierten Fragen fordern lediglich eine Ja/ Nein- Antwort. Doch Abstufungen zwischen den Extremen von Ja und Nein werden nicht angeboten, obwohl beschrieben worden ist, dass es beim Stillen viel mehr geht als um Ja, ich stille noch! oder Nein, ich stille nicht mehr. Allerdings kann die Frage auch nur umgestellt werden von Menschen, die dem Thema Stillen vertraut und erfahren sind. Stillende Mamas würden sich gegenseitig nicht fragen. Sie würden es einfach machen, weil es vollkommen natürlich ist.

 

Die Natur hat jeder Frau diesen perfekten Zaubertrank geschenkt!

Wer nicht stillen möchte- völlig in Ordnung!

 

Aber wer bereit ist zum Stillen:

Stillt solange ihr wollt und könnt!

Lasst euch Zeit und genießt es!


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Kommentare: 1
  • #1

    julia (Samstag, 23 Juli 2016 02:16)

    Stillen ist einfach schön! Mein Sohn ist 2 1/2 und wir genießen es sehr. Meine Tochter habe leider ich abgestillt kurz bevor sie 3 wurde, das ging kaum anders weil ich krank War. jetzt bin ich gespannt wie sich alles entwickeln wird.
    In meinem Umfeld kenne ich keine Mama mit etwa gleichaltrigen Kindern, die annähernd so (lange, intensiv, wenigstens gelegentlich öffentlich, nach bedürfnis) gestillt hätte. Ich kenne aber Frauen deren Kinder groß sind, die früher nicht darüber geredet haben und heimlich genießen konnten. Ähnlich wie mit dem Familienbett.
    Ich empfinde es als wahnsinnige Bereicherung mit allen Höhen und tiefen... und es ist so schön wenn die Kinder darüber sprechen und sich einfach nur freuen. Die große trinkt gelegentlich auch mit und wir genießen einfach unsere dreisamkeit...