Vertraue deinem Kind in allem, was es tut!

„Pass auf, dass du dich nicht stößt!

„Mache langsam!“

„ Ich mache das lieber für dich- du bist klein und musst das noch lernen!“

Bereits Babys kennen ihren persönlichen Verantwortungsbereich

Diese oder ähnliche Formulierungen hast du sicherlich auch schon gehört, wenn es um Dinge oder Tätigkeiten geht, die dein Kleinkind ausprobiert. Obwohl derartige Pass- auf- Sätze gut gemeint sind, erzeugen sie nicht die gut gemeinte Haltung. Es wird missachtet, dass Kinder ihren persönlichen Verantwortungsbereich kennen und von Beginn an übernehmen können. Dein Kind wird sobald es sich in einer misslichen oder ängstlichen Situation befindet, DICH darauf aufmerksam machen. Es würde sich in irgendeiner Art und Weise bemerkbar machen oder rufen. Jedoch erfahren das nur die Eltern, die ihr Kind einfach selbst ausprobieren und machen lassen ohne durch mahnende Worte einzuschreiten.

 

Der Wunsch vieler Eltern ist ein verantwortungsvolles Kind

Der Wunsch vieler Eltern ist das ihre Kinder später einmal verantwortlich sind oder verantwortlich handeln. Das kann nur gelingen, wenn sie bereits in ihrer Kindheit die Erfahrungen machen durften, dass ihre persönliche Verantwortung geachtet wird! Der Weg dorthin führt über Vertrauen.

 

Vertrauen gilt als subjektive Überzeugung von der Richtigkeit oder Wahrheit der Person. Oftmals  bezeichnen wir mit Vertrauen das Zutrauen von Fähigkeiten und Handlungen.

 

Vertrauen ist eine Komponente der Zusammenarbeit. Je mehr Vertrauen vorhanden ist, desto weniger Kontrolle ist notwendig.

 

Alles beginnt immer bei dir. Zunächst sollst du dir selbst vertrauen. Vertraue dir! Dann kannst du deinem Kind vertrauen.

 

Vetraue deinem Kind und es wächst über sich hinaus

Vertrauen ändert DEINE Einstellung

Vertraue deinem Kind! Du wirst es dadurch besser kennenlernen. Du erfährst von ungeahnten Fähigkeiten deines Kindes. Eure Beziehung wird sich vertiefen.

Vertrauen ändert deine Einstellung. Es fühlt sich an wie das gemächliche Zurücklehnen in einen Sessel während du die Situation oder dein Kind beobachtest.

Stell dir vor, du hättest große Lust und Vorfreude deinen Garten umzugraben, aber dein Mann steht neben dir und sagt mit Nachdruck: „Der Garten ist viel zu groß für dich. Das schaffst du nicht! Gieß doch stattdessen lieber die Blumen am Haus!“ Die Frau in diesem fiktiven Beispiel wird sich vermutlich nicht ernst genommen in ihrem Bedürfnis sich zu bewegen fühlen. Ihre Motivation wird zumindest kurzzeitig gedämpft werden. Sie fühlt sich nicht völlig verstanden und angenommen. Ob sie dem Alternativangebot ihres Mannes nachkommt oder doch den Garten umgräbt, bleibt ihre Entscheidung- der bittere Beigeschmack wird aber haften bleiben!

Nur die volle Vertrauenshaltung kommt der natürlichen kindlichen Entwicklung entgegen.

Würdest du dein Kind kontrollieren wollen oder du meinst es zu müssen, grenzt du automatisch den Fähigkeitsradius deines Kindes ein. Das geschieht meist aus Angst. Du hast Angst, dass deinem Kind etwas passieren könnte. Das ist vollkommen verständlich und nachvollziehbar. Dennoch ist die Angst oft unbegründet- lass` DEINE Angst bei dir. Gib sie nicht an dein Kind weiter! Schau dir deine Angst genau an und lasse sie dann vorbeiziehen.

 

Vertrauen führt zum Überwinden der eigenen Grenzen und Hinauswachsen der Fähigkeiten

Vertraue deinem Kind, es tut alle Zeit sein allerbestes! Auch wenn es für dich als Mama oder Papa nicht gerade angenehm erscheint und dich vielleicht herausfordert. Respektiere es! Du möchtest auch nicht, dass deine Mitmenschen dich verändern wie sie es gerade gern hätten. Vertrauen ermöglicht wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Auch das Hinauswachsen über die eigenen körperlichen oder  motorischen Grenzen ist durch Vertrauen möglich.

Vertraue deinem Kind, wenn es eine kurze Hose anziehen möchte, obwohl es draußen kalt ist!

Vertraue deinem Kind, dass es gerade in einer Phase steckt, in der es wenig essen möchte, auch wenn dein Kind sehr zart und zierlich ist!

Vertraue deinem Kind, wenn es erklärt, dass es den steilen Baum hinaufklettern möchte!

Vielleicht sind gerade das die Impulse, die dein Kind sich aus der Welt zieht, um sich weiter zu entwickeln!

 

Wie viel Vertrauen hast DU?

Wie weit geht DEIN Vertrauen?

 

Herzlich

Karolin


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Kommentare: 4
  • #1

    Luanha (Donnerstag, 01 September 2016 07:43)

    Ich habe eines Tages vom ständig nörgelnden Elternsprechapparat bei Juul gelesen. Hab eine Woche lang erst überlegt, wenn ich meine Tochter angesprochen habe und war verblüfft, wieviel sinnlose Dinge man sagt. Da ich nicht mehr redete, hatte sie auch viel mehr Freiheiten und konnte mir ihr Können unter Beweis stellen. Auch die Jüngste tut das. Sie ist wilder und manchmal stehe ich da - kurz vor einem Herzinfarkt - und sie bringt mich immer wieder zum Staunen und andere Eltern auch.
    Aber das Beste: seit ich mich nur noch melde, wenn tatsächlich Gefahr besteht, reagieren die Kinder sofort.

  • #2

    Karolin (Freitag, 02 September 2016 14:24)

    Hallo Luanha,
    ja der bekannte "Elternsprechapparat" von Juul- mir auch gut bekannt! Ich finde, toll dass du dieses Eigenexperiment gewagt hast! Tolle Erfahrung. Auch das ist eine Form den Kindern Vertrauen entgegen zu bringen!

  • #3

    serena (Mittwoch, 26 Oktober 2016 20:45)

    ich habe unsere kinder heute selbst walten lassen; sie haben bei ca 9 grad außentemperatur nur in pulli, unterhemd und unterhose/windel draussen gespielt! 8-O
    es war hart an meiner grenze von selbst entscheiden- und gewähren lassen :-D

  • #4

    Karolin (Donnerstag, 27 Oktober 2016 13:04)

    Hallo Serena,

    schön von dir zu lesen!
    DEIN Vertrauen ist in der von dir geschilderten Situation aber bereits ziemlich groß, auch wenn es dich selbst Überwindung gekostet hast. Es liest sich, als ob eher du deine eigene innere Grenze überschritten hast- sehr mutig!
    Was hat es dir im Nachhinein gebracht?
    Wie ging es deinen Kindern dabei?

    herzlich Karolin